INTERVIEW

 
 
 
Interview mit
Frage: Dr. Flannery, wie sind Sie dazu gekommen, ein Buch über den Klimawandel zu schreiben?
Tim Flannery: Über Jahre hinweg hatte ich das Gefühl, ich müsste meine Zeit der Forschung über den Klimawandel widmen. Aber ich war mit anderen, ebenfalls wichtigen Dingen beschäftigt. Im Jahr 2004 wandelte schlug mein Interesse dann in Besorgnis um. Die führenden Wissenschaftsmagazine der Welt waren voll mit Artikeln darüber, dass die Gletscher zehn Mal schneller abschmolzen als erwartet, dass der Anteil der Treibhausgase in der Erdatmosphäre Höhen erreichte wie seit Millionen von Jahren nicht mehr und dass Pflanzen- und Tierarten wegen des Klimawandels ausstürben. Es gab auch Berichte über extreme Unwetter, lang anhaltende Dürren und steigende Meeresspiegel. Inzwischen gibt es zwar Hoffnungsschimmer, weil die Regierungen der Welt anfangen, sich mit dem Thema zu beschäftigen. Aber wir können nicht darauf warten, dass sie das Problem für uns lösen. Wir selbst müssen uns jetzt dringend informieren und entsprechend handeln. In den kommenden Jahren wird der Klimawandel alle anderen Probleme verdrängen.
Frage: Viele Menschen glauben, dass der Klimawandel etwas ist, das die Welt erst in Jahrzehnten betreffen wird. Sie sagen jedoch, das es eine akute Bedrohung ist und wir dringend handeln müssen. Warum?
Tim Flannery: Wenn Leute davon reden, dass die Auswirkungen des Klimawandels erst in Jahrzehnten zu spüren sind, dann halte ich das für sehr zweifelhaft und außerdem für irrelevant. Auf einer breiteren Skala sind Jahrzehnte doch nur wie ein langer Tag. Siebzig Prozent der heute lebenden Menschen werden auch im Jahr 2050 noch leben, das bedeutet der Klimawandel betrifft jede Familie auf diesem Planeten. Und er passiert jetzt: In Ostaustralien zum Beispiel sterben jahrhundertealte Bäume ab, weil ihre bisherigen Wasserquellen versiegen. Was wir dort sehen ist keine Dürre, sondern der Klimawandel. Wir wissen noch gar nicht, wie eine Dürre in dem neu entstehenden Klima aussehen wird.
Frage: In Ihrem Buch machen Sie Vorschläge, was man selbst tun kann, um den eigenen CO2 Ausstoß zu verringern. Können Sie ein Beispiel geben?

Tim Flannery: Wenn Sie ein Auto mit Allradantrieb haben und es durch eines mit Hybridtechnik ersetzen, können Sie innerhalb eines Tages eine Reduzierung Ihres Ausstoßes erreichen, die sonst fünfzig Jahre dauern würde! Und wenn Sie das können, dann können das auch Regierungen und Leute auf der ganzen Welt.

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